Lieber Leser,
bevor du dieses ermutigende Erlebnis, man spricht auch von „Vision“ von Heid B. liest, möchten wir dir, als Gemeindeleitung der Evangelikalen Freikirche, ein paar Zusatzinformationen zu dem Text geben.
Zum einem was ist eine Vision? Eine optische Vision, ist die Wahrnehmung mit den „Augen des Herzens“. Der Geist Gottes kann die innere Optik des Menschen erweitern, damit er Zusammenhänge und die Allmacht und Allgegenwart Gottes in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkennen und erfassen kann. Auch die Bibel spricht davon:


›Am Ende der Zeit‹, so sagt Gott, ›werde ich meinen Geist über alle Menschen ausgießen. Dann werden eure Söhne und eure Töchter prophetisch reden; die Jüngeren unter euch werden Visionen haben und die Älteren prophetische Träume.   Apostelgeschichte 2,17


Zum anderem sind Visionen in der Regel nicht Inhalt der Weissagung, sondern dienen als bildhafte Vorlage um etwas zu verdeutlichen.  Deswegen finden wir diese „Vision“ so lesenswert und stellen sie online, da sie die Aussage der Bibel, wie z.B.  Christus lebt in mir (Galater 2,20) oder „..., da ihr in mir (Jesus) seid und ich in euch bin“ (Johannes 14,20) sehr schön verdeutlicht!

Ein persönliches Erlebnis von Heidi B. vom 20.10.2016

(Heidi ist Mitte 30, verheiratet, Mitglied der Evangelikalen Freikirche Imst)

In meiner stillen Zeit las ich in der Bibel. Dabei kam ich zu der Stelle, wo Johannes der Täufer sagt: „Glaubt ihr vielleicht, ich sei der Eine, auf den alle warten? Nein, ich bin es nicht. Der, auf den ihr so viele Jahre gewartet habt, ist bereits mitten unter euch. Ich bin es nicht einmal wert, ihm die Riemen seiner Sandalen zu lösen.“ (Johannes 1,26-27)

„Mitten unter euch“ – darüber musste ich nachdenken und darüber sprach ich mit Jesus. In diesem Gespräch sagte mir Jesus, ich soll ihn nicht außerhalb von mir suchen, er ist ja schließlich in mir. Das brachte mich noch mehr ins Grübeln. Mit meinem Verstand konnte ich zwar erfassen, dass Jesus in mir lebt – schließlich liest und hört man des Öfteren davon – trotzdem hatte ich meine Schwierigkeiten damit zu verstehen, was es in der Tat bedeutet. Ich wollte es endlich mal wissen und Jesus half mir dabei. Er nahm mich mit in verschiedene Stationen seines Erdenlebens. Das Erstaunliche daran war, dass ich nicht irgendwo als Zuschauerin dabei war. Nein, ich war in IHM! Ich befand mich in Jesus und blieb dabei doch ganz ich selbst. Ich sah mit SEINEN Augen, ich fühlte, was ER fühlte, ich hörte SEINE Gedanken! Niemals zuvor war ich Jesus näher als in diesem Augenblick! Kann man ihm überhaupt noch näher kommen?

Zuerst befanden wir uns am Eingang in ein großes Gebäude – vielleicht in den Tempel, ich weiß es nicht. Dort lag eine Frau in zerlumpten Kleidern. Sie sah älter aus, als sie wahrscheinlich war. Ihr Fuß war verkrüppelt, übersät mit Geschwüren und Geschwülsten. Es sah schlimm aus. Auf einmal sah ich ihren geheilten Fuß förmlich durch das kranke Gewebe herausleuchten.
Jesus sprach zu der Frau: „Weißt du, wer ich bin?“ Sie antwortete: „Ja, Herr, du bist der Messias, unser Erretter, der Sohn Gottes.“ Sie erkannte ihn – aber woher wusste sie, wer er war? Es redete doch niemand sonst mit ihr. Das war erstaunlich! Jesus fragte sie weiter: „Glaubst du, dass ich dich heilen kann?“ „Ja, das glaube ich“, war ihre Antwort. Mit den Worten „So will ich es tun!“ legte Jesus ihr seine Hand auf. Alle Geschwüre und Geschwülste fielen von ihrem Fuß ab und der gesunde Fuß, den ich schon zuvor vor meinen geistlichen Augen gesehen hatte, kam zum Vorschein.
Ich war überwältigt! Ich konnte mich nicht erinnern, diese Geschichte jemals in der Bibel gelesen zu haben, aber es war mir auch klar, dass nicht alle Heilungsgeschichten aufgeschrieben wurden. Umso erstaunlicher war es für mich, denn Jesus zeigte mir dadurch, dass er alles von sich preisgeben will.
Es blieb nicht bei dieser einen Geschichte, Jesus nahm mich mit zu einer Begebenheit, die ich sehr wohl aus der Bibel kannte – die Auferweckung des kleinen Mädchens, der Tochter des Jaïrus (Markus 5,21-24 und 35-43):
Wir waren unterwegs, rings um uns waren nicht nur die Jünger Jesu, sondern auch viele andere Leute. Da kam ein Mann auf Jesus zu, er war den Tränen nah. Seine Tochter lag im Sterben und er wusste, dass nur Jesus jetzt noch helfen konnte. Er bat Jesus mit ihm zu kommen und Jesus machte sich gleich auf den Weg.
Wir waren noch nicht weit gekommen, da kam ein anderer Mann dahergerannt. Er sagte, es ist schon zu spät, das Mädchen ist gestorben. Und nun? Jesus ließ sich deswegen nicht aufhalten. Wir kamen bei dem Haus an, wo das Mädchen wohnte. Es war eindeutig kein Haus von armen Leuten, aber anscheinend auch nicht von sehr reichen. Der Weg zum Hauseingang war gepflastert, das kam damals eher selten vor. Beim Eingang angekommen, wandte sich Jesus der Menge zu, die offensichtlich mit hinein wollte. Ich fühlte, wie Jesus schmunzeln musste. Sie hätten wohl niemals im Haus alle Platz gehabt! Jesus sagte, dass nur Johannes, Jakobus und Petrus mitgehen dürfen. Als sich Petrus durch die Menge quetschte, sah ich Stolz in seinen Augen und spürte, wie Jesus darüber besorgt war.
Wir gingen hinein, man hörte Frauen weinen. Dann wurden wir in ein kleines Zimmer gebracht. Dort stand das Bett mit dem leblosen Körper des Mädchens. Jesus meinte, das Kind schläft nur, es ist nicht tot. Es kam mir vor, er hat es eher zu sich selbst gesagt als zu den umstehenden Menschen. Ein Raunen und fast schon ein leises Lachen konnte man nach seinen Worten vernehmen. Jesus schickte alle aus dem Haus, nur die Jünger und die Eltern des Mädchens sollten im Zimmer bleiben. Jesus trat an das Bett heran. In Gedanken fragte er mich: „Was siehst du?“ Ich musste ihm aber nicht antworten, denn wir sahen beide dasselbe. Er wollte nur bewirken, dass ich ganz bewusst das Mädchen ansehe. Es war blass und offensichtlich war kein bisschen Leben mehr in ihm. Doch dann sah ich, wie die Haut sich rosa färbte. Wie der Brustkorb sich auf und ab bewegte. Wie das Leben hineinströmte. Es war noch nicht geschehen, aber ich konnte schon vorher sehen, was nun passieren wird.
Jesus nahm die Hand des Mädchens und sagte: „Talita kum!“ Und dann geschah das Wunderbare: Das Mädchen setzte sich auf, öffnete die Augen und war wieder vollkommen lebendig!
Als die Eltern begriffen, dass ihre Tochter lebt, stürmten sie zu ihr und küssten und umarmten sie. Jesus entfernte sich und sagte zu den drei Jüngern: „Wir wollen sie alleine lassen. Kommt, aber erzählt niemandem, was hier gerade geschehen ist!“ Es schien, als ob er die letzten Worte hauptsächlich zu Petrus sprach, aus dessen Augen jeglicher Stolz verschwunden war. Er stand erstaunt und mit offenem Mund da.

Dann erwachte ich aus meiner Vision und musste mit Freudentränen in den Augen feststellen: Das Bibellesen wird von nun an anders sein als zuvor – ich werde alles lebendig vor Augen haben können! Ich werde „in Jesus“ dabei sein! Wie gütig ist der Herr!

Mir wurde auch bewusst, dass es jetzt umgekehrt ist als in der Vision, dass nicht ich in Jesus, sondern Jesus in mir ist – das heißt, er lebt so in mir, wie ich es gerade erleben durfte, in ihm zu sein. Wie eingesperrt muss sich Jesus wohl in mir fühlen! Er mit all seiner Vollmacht in mir, wo ich ihm doch so viele Grenzen setze! Es war für mich trotzdem kaum zu fassen – dieser wundervolle Jesus, und in mir?! Wie soll ich das verstehen?

Doch der Herr wollte mich mit meinen Überlegungen nicht alleine lassen. Er meinte, um es wirklich erfassen zu können, müsste ich mit ihm durch seinen Kreuztod gehen und mit ihm auferstehen. Angst überkam mich. Ich sagte schnell, dass wir es doch auch ein andermal machen können. Ich würde es schon wollen, aber jetzt? Jesus fragte mich ganz behutsam: „Was hindert dich daran, es jetzt zu tun? Welchen Grund gibt es dafür, es zu verschieben?“ Ich überlegte eine Weile. Es gab wirklich keinen Grund, so fasste ich Mut und willigte ein.
Nach dem Rat des Herrn dämmte ich das Licht, schaltete das Handy auf lautlos und richtete mir vorsichtshalber zwei Taschentücher her. Man kann ja nie wissen. Ich dachte nur noch: „Eigentlich muss ich nicht wirklich verstehen, wie das funktioniert, dass Jesus in mir leben kann.“ Jesus sagte dazu: „Aber du wirst es verstehen!“ Dann ging es los. Ich schloss die Augen und schon war ich wieder in Jesus. Das erste Ereignis war seine Verhaftung am Ölberg. Die Nacht war kühl, sie führten Jesus ab. Er zitterte, und dennoch umgab ihn eine sanfte Ruhe und seine Schritte waren fest. (Matthäus 26,47-56)
Dann kam die Verhandlung vor dem Hohen Rat. Hass lag in der Luft, böse Blicke, falsche Anschuldigungen. Die einzige Antwort Jesu, er sei der Sohn Gottes, brachte alle in Rage. Sie wollten ihn so schnell wie möglich vernichten. Aber im Herzen Jesu war die reinste Liebe für jeden einzelnen von ihnen. Auch ich empfand diese Liebe, denn ich konnte durch Jesu Augen ihre Verlorenheit sehen. (Markus 14,53-65)
Wir gingen durch einen Hof, der Morgen brach an. Links von uns saßen ein paar Menschen um ein Feuer. Ein Hahn krähte. Jesus blickte in die Augen von Petrus, der mitten unter den Menschen war. Petrus stiegen Tränen in die Augen. Er hat seinen Herrn verleugnet! Dieses Bewusstsein brachte ihm tiefe Schuldgefühle ein. Er rannte los in die Dunkelheit. (Markus 14,66-72)
Danach ging es zu Herodes – ein sehr dicker Mensch. Ich konnte sein Herz sehen, es war von schwarzen Nebelschwaden umgeben. Er tat mir irgendwie leid. Jesus erklärte mir, dass Herodes sich selbst für sein Schicksal entschieden hat. Und die Nebelschwaden, die ich gesehen hatte, vergiften seinen Körper. (Lukas 23,8-11)
Danach befanden wir uns gleich bei Pilatus. Ich wusste, dass dazwischen noch mehr geschehen ist, doch der Herr wollte mir nur das für mich Wichtige zeigen, und das genügte mir auch. Bei Pilatus sah ich dessen Frau, sie blickte durch einen Türspalt auf Jesus. Ihr Gesicht war voll mit Sorgenfalten, aber es leuchtete. Sie schien auf irgendeine Weise zu erahnen oder zu wissen, wer Jesus ist. Dies hatte sie auch ihrem Mann mitgeteilt, und als er so vor uns stand, bemüht das Leben Jesu zu retten, begann auch er zu leuchten. (Matthäus 27,19)

Ich musste dann plötzlich an etwas ganz anderes denken. Wie konnte es sein, dass die Jünger Jesu Ereignisse wie dieses Gespräch, das ja nur zwischen Jesus und Pilatus stattfand, in den Evangelien niederschrieben? Sie waren doch nicht dabei! Jesus antwortete auf meine Gedanken: „Du bist doch jetzt auch dabei, oder?“ „Ja, das bin ich“, sagte ich. „Auf diese Art konnten meine Jünger später durch meinen Heiligen Geist genauso dabei sein wie du jetzt.“ Darüber hatte ich mir schon oft Gedanken gemacht, nun verstand ich es.

Es ging weiter. Pilatus wollte Jesus so gerne freilassen, doch die Menge verlangte, dass Barabbas freigelassen wird. Pilatus war darüber bestürzt, doch ihm blieb keine andere Wahl. Er hatte sogar die Idee, Jesus heimlich hinauszuschleusen, so dass er fliehen könnte. (Davon hatte ich in der Bibel noch nie etwas gelesen!) Jesus bekräftigte ihm aber, dass dies alles so geschehen muss, weil es der Wille seines Vaters im Himmel ist. Die Menschen wollten Jesus am Kreuz hängen sehen, Pilatus musste Barabbas freilassen. Barabbas schien mir ein dunkler Mensch zu sein, voller Rachegedanken. (Lukas 23,13-25)
Wir wurden den Wachen übergeben. Nun kam es zur Geißelung, davor hatte ich wirklich große Angst. Mir kamen Gedanken, ob ich die Schmerzen auch spüren muss. Schließlich konnte ich andere Gefühle von Jesus auch spüren. Jesus fiel immer wieder zu Boden und ich wusste, er muss jetzt Schreckliches erleiden. Doch ich selbst bemerkte keinen Schmerz. Ich fragte Jesus, warum. Jesus wollte es mir später erklären, er konnte jetzt nicht. Verständlich! (Markus15,16-20)
Ich sah immer wieder die Menschen um uns herum an. Sie schrien und verspotteten den Herrn. Unter ihnen waren aber auch Menschen, die leuchteten, und ich wollte wissen, wer es war. Jesu kurze Antwort erklärte mir alles: „Das sind meine Jünger!“ Dann entdeckte ich in der Menge Jesu Mutter. Ich war mir sicher, dass sie es war, ich sah einen tiefen Schmerz und Kummer um ihren Sohn in ihren Augen. Unverzüglich musste ich an meine eigene Mutter denken. Ich konnte nur noch weinen, so weh tat mir das. Auch Jesus weinte, ich sah seine Tränen zu Boden fallen.
Als die schreckliche Folterung zu Ende war, wurden wir in ein Verlies geworfen. Nach einer Weile, als sich Jesus ein wenig erholt hatte, erklärte er mir, warum ich seine Schmerzen nicht mit ihm teilen konnte. Es ist allein seine Aufgabe gewesen, die Sünde der Welt und deren Bestrafung zu tragen. Auch die meine – sonst könnte ich mich ja selbst erlösen. Das leuchtete mir ein. In meinem Herzen hätte ich ihm dennoch gern ein bisschen abnehmen wollen.
Dann durfte ich mit Jesus mitempfinden, was für ihn noch viel schlimmer war als all das körperliche Leiden. Die Trennung vom Vater! Ich hörte sein Beten und Flehen. Ich spürte, wie verlassen er sich fühlte, so einsam. Oh, wie war mir das bekannt! Aber Jesus war das alles andere als bekannt, er kannte nur die innige Verbundenheit mit dem Vater. Und nun musste er, wegen der Sünden der Welt, die fürchterlichste Folter, die man sich vorstellen kann, durchmachen. Was haben wir nur diesem wundervollen und herrlichen Herrn angetan?
Die Kreuzigung stand nun bevor. Die Tür ging auf, Jesus wurde hinausgeführt. Ein Holzbalken wurde ihm auf die Schultern gebunden. Er konnte sich also nicht befreien, aber das wollte er auch nicht.
Der Weg war weit und die Menschen am Wegrand waren grausam. Kaum zu glauben, aber es waren dieselben Leute, die nur wenig zuvor Jesus zujubelten, als er auf einem Eselsfohlen in die Stadt einritt. Damals riefen sie „Hosanna!“ und „Der König ist da!“ (Johannes 12,12-13) Nur ein paar wenige unter ihnen leuchteten. Trotzdem floss das Herz Jesu von Liebe zu ihnen über und ich empfand dasselbe.
Jesus fiel immer wieder zu Boden. Unter der großen Last konnte er kaum noch stehen, geschweige denn gehen. Da wurde ein ziemlich großer und stark aussehender Mann gezwungen, den Balken zu tragen. Man sah ihm an, dass er nicht einmal in die Nähe Jesu kommen wollte. Es schien so, als ob er sich ekeln würde. Jesus schaute ihm tief in die Augen. Dann geschah ein Wunder: Der Mann begann zu leuchten, ein einziger Blick Jesu genügte! (Matthäus 27,32)
Am Berg angekommen, spürte ich in Jesus Erleichterung aufsteigen – das Ende war nah. Es roch dort erbärmlich nach Verwesung und Urin. Die beiden Verbrecher, in deren Mitte Jesu Kreuz aufgestellt werden sollte, waren schon gekreuzigt. Jesus wurde auf den Balken gelegt, so konnte er in den Himmel blicken. Es war bewölkt, doch plötzlich lichteten sich die Wolken und ein unsagbar schönes, weißes Licht erstrahlte. Es blendete nicht, man konnte direkt hineinschauen. Es war nicht die Sonne, es war der ABBA! Ich sagte zu Jesus: „Schau, der Vater ist immer noch da! Er lässt uns nicht im Stich!“ Jesus war davon so ergriffen, dass er die Nägel, die in seine Hände geschlagen wurden, scheinbar gar nicht spürte. (Lukas 23,33)
Das Kreuz wurde aufgestellt, ein schrecklicher Moment. Man konnte so das ganze Land übersehen und man sah auch die vielen Menschen, die dort herumstanden und Jesus verspotteten. Nur ganz wenige unter ihnen leuchteten. Direkt unter dem Kreuz stand Jesu Mutter zusammen mit Johannes, dem Jünger Jesu. Johannes schien mir noch sehr jung zu sein. Ich schätzte ihn auf 19, vielleicht 20 Jahre, aber nicht älter. Jesus sprach zu ihnen: „Dies ist nun deine Mutter und dies ist nun dein Sohn!“ Johannes verstand sofort, was Jesus damit meinte. Er sorgte von diesem Augenblick an für Jesu Mutter, als ob es seine eigene wäre. (Johannes 19,25-27)
Einer der Verbrecher, der neben Jesus am Kreuz hing, begann ihn zu verspotten. Ich konnte es kaum fassen, wie er noch so viel Energie aufbringen konnte, wo er doch fast am Ende war. Seine Worte verstand ich nicht genau. Ich verstand nur, dass er meinte Jesus provozieren zu können. Er hat doch immer so viele Wunder getan, da muss es ein Leichtes für ihn sein, vom Kreuz herunterzusteigen und ihn dabei gleich mitzunehmen. Der andere Verbrecher fuhr ihn an, was ihm wohl einfällt, so über Jesus zu spotten. Schließlich haben sie zwei verdient hier zu hängen und so sterben zu müssen. Doch Jesus ist unschuldig! Zu Jesus hingewandt sagte er mit Tränen in den Augen und einer tiefen Reue: „Gedenke meiner, wenn du in dein Königreich kommst.“ Es kostete Jesus sehr viel Kraft zu antworten, doch seine Worte waren deutlich: „Ich versichere dir, wir werden heute noch gemeinsam im Paradies sein!“ Daraufhin begann der Mann zu leuchten. (Lukas 23,39-43)
Ich hörte Jesu Herz, es schlug langsamer und unregelmäßiger. Es ging zu Ende, das wurde mir bewusst. Und wieder bekam ich es mit der Angst zu tun. Was würde jetzt mit mir geschehen? Wenn Jesus stirbt, und das wird er, muss ich dann mit ihm sterben? Dann ging alles recht schnell. Ich hatte keine Zeit mehr nachzudenken. Mit letzter Kraft wehklagte Jesus die Verlassenheit vom Vater. Doch auf einmal entsprang dem Herzen Jesu, das seine letzten Schläge tat, tiefer Frieden und eine unsagbare Freude über den Sieg der Siege. Mit seinem letzten Atemzug sprach Jesus: „ES IST VOLLBRACHT!“ (Johannes 19,28-30) Es wurde dunkel, die Leute liefen davon. Ich hatte ein Gefühl, als bräuchte ich nicht mehr zu atmen. Es erschien mir nicht mehr notwendig zu sein.
Im nächsten Augenblick war es hell, rings um mich Wolken. Es war angenehm warm, aber ich war nicht mehr in Jesus. Ich suchte ihn mit den Augen und entdeckte ihn dann ein kleines Stück weiter von mir. Neben Jesus war es gleißend hell. Es sah aus wie ein Eingang. Mir war irgendwie klar, dass es dort zum Vater geht, und ich wollte unbedingt mitkommen. Jesus spürte offenbar mein Verlangen, meinte aber, ich kann jetzt nicht mit, ich soll auf ihn warten. Was ich natürlich ganz brav tat. (Ich nutzte die Gelegenheit, um ein vorher hergerichtetes Taschentuch zu benützen.)
Es dauerte nicht lange, da spürte ich einen Sog. Es zog mich in etwas hinein – oder hinaus!? Es ist schwer zu beschreiben. Es war allerdings nicht unangenehm. Dann war es so, als ob ich von einem Traum erwachen würde, das beschreibt es am ehesten. Ich lag auf einem Stein, zugedeckt mit einem weißen Laken. Alles um mich erstrahlte im hellen Licht. Ich schaute auf meine Hände – da waren die Wundmale Jesu. Dennoch waren es meine eigenen Hände! Ich griff auf meine linke Seite – und auch da war eine Wunde. Als ich zu meinen Füßen schaute und dort die Wunden sah, war ich überwältigt. Denn wenn ich die Füße aufeinander legte, konnte ich genau sehen, wie der Verlauf des Nagels war! Es passte genau aufeinander!
Es waren meine Hände, meine Füße, mein Körper – was war geschehen? Wie ein Blitz durchfuhr es mich plötzlich: Jesus ist jetzt in mir, so wie ich zuvor in ihm war! Es hatte sich gewendet! So wie Jesus es am Anfang sagte, konnte ich nun wirklich verstehen, was es bedeutet, dass ER in mir lebt!

Der Stein war weggerollt, ich ging hinaus. Da kam mir eine Frau entgegen. Was würde sie wohl sagen, wenn sie mich sieht? Würde sie ihren Herrn in mir erkennen? Sie fragte mich, ob ich weiß, wo man ihren Herrn Jesus hingetan hat. Ich sagte zu ihr: „Ich bin es doch!“ Sie fiel auf ihre Knie und rief: „Mein Meister!“ Sie wollte mich umarmen, doch ich hatte Bedenken, ob sie dadurch nicht „mich“ bemerken würde. So schickte ich sie zu den Jüngern, um ihnen die frohe Botschaft der Auferstehung Jesu zu verkünden. (Johannes 20,1-2) Sie rannte los ... und ich erwachte in meiner Küche mit einer tiefen Erkenntnis in meinem Herzen:

JESUS CHRISTUS LEBT IN MIR UND DURCH MICH!!!